Saison 2021/22

GERHARD CREPAZ
08.08.1945 – 24.11.2021

gerhard crepaz

Mit großer Trauer geben wir den unerwarteten Tod meines Ehemannes, unseres Vaters und Großvaters Gerhard Crepaz bekannt.

Als Pionier in vielen Bereichen der darstellenden Kunst prägte er gemeinsam mit seiner Frau Maria das österreichische Kulturleben: Allem voran als künstlerischer Leiter der Galerie St. Barbara, die er zu internationalem Ansehen brachte.

Er war von vielen geschätzt und von einigen gefürchtet für seine kompromisslose Hingabe zur Kunst und für seine unkonventionelle Art diese zu vermitteln. Gerhard Crepaz war ein großer Kulturbegeisterer. Ganz nach John Cages Motto „Happy New Ears“ arbeitete er unermüdlich daran, Lust auf das Unerhörte und Ungesehene zu machen – sei es in seiner Tätigkeit als Musikprofessor, Journalist, Kulturvermittler oder künstlerischer Leiter renommierter Veranstaltungsreihen und Festivals.

Als Journalist arbeitete Gerhard Crepaz u.a. für den ORF, die RAI Bozen, den Bayerischen Rundfunk, den Deutschlandfunk, sowie die Zeitungen Tiroler Tageszeitung, Salzburger Nachrichten, Der Standard und diverse internationale Fachzeitschriften. Er gestaltete zahlreiche Sendungen für Ö1: „Musik hören – Musik verstehen“, „Österreichische Musikgalerie“ sowie die Reihe „Wege zur Neuen Musik”, die mit großem Erfolg ausgestrahlt wurden und mehrere Generationen für zeitgenössische Musik begeisterte. 1974 unterstützte er den Komponisten Joseph Anton Riedl beim Aufbau des Kulturforum Bonn-Center.

Nach und neben diesen Tätigkeiten arbeitete der „Kulturanimator“ – wie er sich selbst augenzwinkernd nannte – unermüdlich daran, das Land Tirol zum Kulturland zu machen. Für ihn war eine offene Geisteshaltung keine Frage von Provinz oder Großstadt.

Zeitgenössische Komponistengrößen wie György Ligeti, Karlheinz Stockhausen, Conlon Nancarrow, Steve Reich, Cornelius Cardew, Dieter Schnebel, Klaus Huber, Terry Riley und John Cage waren auf Initiative von Gerhard Crepaz zu Gast in Hall. Heutige Weltstars lud er als noch völlig unbekannte Nachwuchskünstler zum Österreichdebut in die mittelalterliche Kleinstadt ein: darunter das Alban Berg Quartett, Hespèrion XX mit Hopkinson Smith, Larry Alpert, Montserrat Figueras und Jordi Savall sowie Il Giardino Armonico. So wurde Hall zur „heimlichen Kulturhauptstadt Tirols”, wie Max Weiler einst meinte.

Generationen von jungen Kulturbegeisterten wurden durch seine Arbeit geprägt und zum eigenen künstlerischen Tun ermuntert. Er setzte sich als Programmmacher und Veranstalter früh für die Begegnung von verschiedensten Kulturen ein u.a. mit Formaten wie den „Randfesten” (1972, 1974) und 1989 mit der Gründung von „Musik der Religionen”, das jetzige „Osterfestival Tirol”. 1992 bis 1995 initiierte Gerhard Crepaz mit „Tanz.Theater.Tanz” das erste zeitgenössische Tanzfestival in Tirol. Auch die Zusammenarbeit unter den lokalen Kulturinitiativen war ihm ein großes Anliegen – u.a. als Mitbegründer der Tiroler Kulturinitiativen / TKI und als Freund und Mentor vieler Kulturschaffender. Gerhard Crepaz war überzeugt von der Kraft der Utopie Kunst. Er war ein echter Weltverbesserer.

Seine Pionierarbeit in Tirol war oft geprägt durch das Ankämpfen gegen Widerstände. Sein Wirken wurde schließlich auch von offizieller Seite gewürdigt: Verleihung des Professorentitels durch den Bundespräsidenten, Österreichischer Kunstpreis für Musik (gemeinsam mit Maria Crepaz), Ehrenbürger der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck und Ehrenzeichen der Stadt Hall.

Seine messerscharfen Beobachtungen, seine geradezu kindliche Freude an und mit seinen Mitmenschen, sein Strahlen, seine Phantasie, seine Leidenschaft und sein Aufblühen in der Musik und in seiner Familie werden uns fehlen.

Maria, Christoph, Hannah, Lukas und Sarah mit ihren Familien

Von Freitag 3. (ab 17 Uhr) bis Sonntagabend 5. Dezember besteht die Möglichkeit sich in der Aufbahrungskapelle des Haller Friedhofs zu verabschieden.

Der Termin für den Gedenkgottesdienst sowie für die Urnenbeisetzung wird aufgrund des derzeitigen Lockdowns zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben.

 

gerhard crepaz