Es geht mir nichts ab im Hause. Aber man weiß gar nicht warum man lebt. Dir sage ich so gern wie mir’s im Herzen aussieht. Und sag ich’s Dir nicht, so kannst Du’s doch in meinen Augen lesen. Und ich wieder so viel in Deinen. Siehst Du das fehlt mir. (Robert Schumann)

Krankheitsbedingt ist Werner Güra letztes Jahr leider ausgefallen, daher wird das Konzert in dieser Saison – etwas erweitert – nachgeholt. Gemeinsam mit Anke Vondung und Christoph Berner widmet er den Abend einer Musik inniger Freundschaft. Der jüngere Johannes Brahms und das Ehepaar Schumann inspirierten zu romantischer Idealisierung: Die unerfüllbare Liebe von Clara und Robert Schumann, deren Kampf gegen die gesellschaftlichen Zwänge, in denen Clara durch ihren Vater war, Schumanns Genie und Wahnsinn, Krankheit und Tod, Schmerz und Einsamkeit wie auch die gegenseitige künstlerische Befruchtung.

Robert Schumann hatte nach seinen Kampfjahren um das Klavier (und Clara) zum Lied gefunden und er ermutigte Clara, auch Lieder zu komponieren. Ach Clara, was das für eine Seligkeit ist, für Gesang zu schreiben; die hatte ich lange entbehrt. Wie mir dies alles leicht geworden, kann ich dir nicht sagen, und wie glücklich ich dabei war. Meistens mach ich sie stehend oder gehend, nicht am Klavier. Es ist doch eine ganz andere Musik, die nicht erst durch die Finger getragen wird — viel unmittelbarer und melodiöser. Auch für Brahms war die Begegnung mit dem Ehepaar Schumann wichtiger Anstoß für sein Liedschaffen.

Die beiden wunderbaren Sänger lassen diese gespannte Freundschaft u.a. in Duetten erleben.

Programm:

Johannes Brahms
Vergebliches Ständchen
by Anton Wilhelm Florentin von Zuccalmaglio (1803 – 1869)
aus Deutsche Volkslieder mit ihren Original-Weisen (Berlin, herausgegeben 1838-40)

Clara Schumann
Liebst du um Schönheit
Friedrich Rückert (1788 – 1866)

Johannes Brahms
Der Gang zum Liebchen
by Josef Wenzig (1807 – 1876)
“Der Gang zum Liebchen”, aus Slawische Volkslieder, Böhmische Volkslieder, herausgegeben 1830

Clara Schumann
Er ist gekommen
Friedrich Rückert (1788 – 1866)
aus Lyrische Gedichte, Drittes Buch. Liebesfrühling, Zweiter Strauß. Entflohen [Geschieden], no. 7

Johannes Brahms
In Waldeseinsamkeit
Karl von Lemcke (1831 – 1913)
“Ich saß zu deinen Füßen”, aus Lieder und Gedichte, 6. Vermischte Gedichte, herausgegeben 1861

Clara Schumann
O weh des Scheidens
Friedrich Rückert (1788 – 1866)
aus Lyrische Gedichte, Drittes Buch. Liebesfrühling, Zweiter Strauß. Entflohen [oder Geschieden], no. 38

Johannes Brahms
Ich muss hinaus, ich muß zu Dir
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798 – 1874)
aus Lyrische Gedichte, Liebesleben, Liebe und Frühling, no. 7
Nacht liegt auf den fremden Wegen
Heinrich Heine (1797 – 1856)
aus Buch der Lieder, in Die Heimkehr, no. 86, herausgegeben 1826/7

Clara Schumann
Lorelei
Heinrich Heine (1797 – 1856)
aus Buch der Lieder, Die Heimkehr, no. 2
Es fiel ein Reif
Heinrich Heine (1797 – 1856)
aus Neue Gedichte, Verschiedene, Tragödie, no. 2

Johannes Brahms
Liebertreu
Robert Reinick (1805 – 1852)
aus Lieder, Romanzen und Balladen [früher Bilder], herausgegeben 1844

Robert Schumann
Kerner-Zyklus op. 35 (Kernerlieder, 1840)
Justinus Kerner (1786-1862)